Kreativität

Arbeiten mit Holz und Stein

Peter mit Stele k

Auszug aus: Peter Herrmann, Die Kunst der Selbstführung als Schulleiter – Lernen im künstlerischen Tun, Manuskript, Berlin 2012

Geduld lernen im künstlerischen Tun
"Einen Künstler würde ich mich nicht nennen. Das ist nicht mein An- spruch. Es geht um meine Kreativität. Ich will sie ausprobieren.
Warum Holz und Stein?
Holz und Stein stehen beide für sich, sind elementar. Sie können nicht hinterfragt werden:
Die Frage „Warum ist Holz“ ist unsinnig. Holz und Stein bleiben immer konkret, gleichgültig, welche Form sie in der künstlerischen Gestaltung annehmen.
Gedanken und vor allem Worte sind flüchtig. Ihre Mehrdeutigkeit ist immer wieder Anlass zu Missverständnissen. Die Frage „Warum“ ist Ausdruck unserer Suche nach End-Begründung und Gewissheit. Im Dialog suchen wir Verständigung und Vergewisserung über die sprachlich gefasste Welt. Im Dialog suchen wir Verständigung und Klärung unserer Beziehungen zu anderen Menschen und zu uns selbst.

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Auch das Arbeitsleben des modernen Menschen vollzieht sich zunehmend mehr auf der symbolischen Ebene, also überwiegend in Sprache. Meine Tätigkeit als Schulleiter hat mich in ein Meer von Sprache geführt, in dem ich fast ertrunken wäre. Meine große innere Anspannung resultiert auch daraus, dass ich befürchte, meine Gedanken zu verlieren, weil sie so flüchtig sind. Mein Computer ist daher voll von Texten, die um ein und dasselbe Thema kreisen. So ging es mir auch mit diesem Text, den ich dann schnell aufgeschrieben habe…

Aber wenn ich mein Holzschwein anschaue, weiß ich, dass diese Angst unbegründet ist.

Wenn ich Holz bearbeite, trete ich in einen Dialog mit dem Holz und mit mir. Aber anders als im rein sprachlichen Denken, das sich nicht selten in Kreisen verliert, gibt Holz meinem Denken Halt und Gewissheit. In welcher Hinsicht? Der Bearbeitung sind natürliche Grenzen gesetzt. Ich kann Holz nicht wie Papier behandeln. Auch nicht wie Stein. Und auch die verschiedenen Holzsorten setzen unterschiedliche Grenzen. Das faserige Kiefernholz ist schwierig zu bearbeiten.

Was gibt mir die Auseinandersetzung mit Holz und Stein?

Archaische Gestaltungsformen – das Bedürfnis nach dem Wesentlichen, der Essenz, der Reduktion auf den Kern.

Körperliche Arbeit – Geistige Arbeit setzt ein Begreifen voraus („Begriff“). Wesentlich ist aber, dass ich meinen Körper dabei spüre.
Sinnliche Wahrnehmung – Die Gestaltung ist ein sinnlicher Akt, das ergänzende Gegenstück zur Kontemplation, die anschaut. Dazu gehört auch das haptische Fühlen.

Die individuelle Gestaltung und der innere Dialog (Selbstführung) - Bereits die Vorbereitung des Projekts führt mich in den inneren Dialog mit meinen Vorstellungen und Wünschen. In der konkreten Auseinandersetzung machen sich die Ressourcen, die mir zur Verfügung stehen, in aller Deutlichkeit bemerkbar.

Ich bin euphorisch, wenn ich eine tolle Idee habe. Ich bin frustriert, wenn ich merke, dass ich es noch nicht kann. Ich bin erleichtert, wenn es doch gelingt. Und wenn ich gelernt habe, mit diesen Reaktionen umzugehen, weiß ich, dass ich mir großen Frust ersparen kann, wenn ich Geduld mit mir habe.


Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!"