Praxis guter Führung

Leitvorstellungen  in Führung und Beratung

Die Grundlagen der Praxis guter Führung werden in der eigenen Sozialisation erworben und durch Vorbilder in der Familie geprägt.
Das Bild von meinem Vater ist bestimmt durch eine ausgeprägte Fähigkeit zur Kommunikation, durch ein intensives Verhältnis zu seiner Arbeit, durch seine Fähigkeit, sich neuen Projekten mit großer Hingabe zu widmen, auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel und entschlossen zu reagieren und dabei seinem inneren Kompass zu folgen.
Mit meinem Großvater, der Bauer und Bürgermeister in einem kleinen Dorf in Mecklenburg war, verbinde ich das Bild einer respektierten und geachteten Persönlichkeit, deren Rat gerne gesucht war.
Die in der Sozialisation erworbenen Vorstellungen, Emotionen und Verhaltensweisen bestimmen das menschliche Verhalten, ohne dass dies im Alltag immer bewusst ist.
Unser Verhalten hat großen Einfluss auf unsere eigene Gesundheit und auf unser Wohlbefinden - und auch auf die Gesundheit und das Wohlbefinden unseres familiären und beruflichen Umfeldes.
Wegen ihrer faktischen Rolle als Vorbild bestimmt das Führungsverhalten von Führungskräften auch die Vorstellungen von Praxis guter Führung der Menschen in ihrem beruflichen Umfeld.
Dieser Zusammenhang macht deutlich, dass die Sorge einer Führungskraft um ihre Gesundheit und ihr eigenes Wohlbefinden auch in ihrer Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlbefinden anderer Menschen begründet ist.
Die Gesundheit eines Menschen hat objektive und subjektive Ursachen. Es ist anerkannt, dass das subjektive Gefühl, gesund zu sein, großen Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand hat. Entscheidend dafür ist das Gefühl, dass die Arbeit sinnvoll ist.
Ein hoher Arbeitseinsatz für eine Arbeit, die Freude macht, kann daher über lange Zeit aufrecht erhalten werden, bis zu dem Moment, wo sich an bestimmten Symptomen zeigt, dass durch Überforderung der eigenen Ressourcen eine seelisch-körperlich-geistige Unausgeglichenheit entstanden ist.
Es ist Ausdruck guter Führung, dieser Unausgeglichenheit durch Selbstsorge vorzubeugen, um nachteilige Wirkungen auf das Umfeld zu vermeiden. Ein schlechtes Arbeitsklima hat nachweislich unmittelbare Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Menschen und damit auf die Leistungsfähigkeit bzw. Produktivität der Organisation bzw. des Unternehmens.
Meine eigenen Erfahrungen in einer Führungsrolle sind Motivation und Grundlage für meine Tätigkeit als Berater, Coach und Mentor für Führungskräfte.
Ich möchte Führungskräfte bei ihrem bewussten Umgang mit notwendigen persönlichen Verhaltensänderungen unterstützen. „Ich möchte mich nicht immer ändern müssen“, höre ich gelegentlich. Daraus spricht ein großes Bedürfnis nach Stabilität und Angst vor dem Verlust der eigenen Identität durch die Veränderung. Darin zeigt sich ein großes Missverständnis über die innere Dynamik unseres Lebens: Wir ändern uns ständig, doch wir glauben, dass wir schon immer die waren, die wir jetzt sind. Im Kern stimmt das auch. Das merken wir dann, wenn wir das Gefühl konsultieren, ob eine Entscheidung, die wir treffen, „stimmig“ ist. Veränderung bedeutet daher auch, zu „sich selbst“ zurück zu kehren. Wenn wir einen eigenen Wunsch nach persönlicher Veränderung verspüren, entspringt dieser einem grundlegenden Bedürfnis nach innerem Ausgleich und innerer Ruhe.
Wie können wir aber mit den vielfältigen, als belastend empfundenen äußeren Einflüssen umgehen, auf die wir keinen direkten Einfluss durch unser Verhalten nehmen können? Wie können wir zu einem persönlichen inneren Ausgleich z.B. beim Thema „Umweltbelastung“ kommen, wenn der gesellschaftliche Interessensausgleich nicht gelingt?
Es geht hier um Entwicklung einer veränderten Haltung in der Wahrnehmung gesellschaftlicher und globaler Fragen: um die Ausbildung eines Grades der Reife und der Weisheit, der aus der inneren Distanz zu den eigenen Vorstellungen, Emotionen und Verhaltensweisen entsteht und der nicht an die Weisheit des Alters gebunden ist.
Es ist eine Lebenshaltung, die mit der Vorstellung verbunden ist, dass verändertes individuelles Verhalten langfristig Einfluss auf gesellschaftliche und globale Verhältnisse nimmt, getragen von dem Bewusstsein, die Wirkung des eigenen konstruktiven Verhaltens mit großer Wahrscheinlichkeit selbst nicht mehr erleben zu können.
Diese Haltung schafft zunächst Entlastung von dem Zwang zu kurzfristigen, schnellen Lösungen. Sie bringt aber vor allem eine größere Aufmerksamkeit und größere Konzentration auf „wirklich wichtige“ Themen im persönlichen und beruflichen Bereich mit sich. Diese positive Erfahrung stärkt das Gefühl von Sinnhaftigkeit und Qualität im Leben und im Beruf.
Im Ergebnis bezeichnen meine Vorstellungen zur „Praxis guter Führung“ das Verhalten von Führungskräften, die durch ihr alltägliches werteorientiertes Führungsverhalten als motivierendes und orientierendes Vorbild auf ihr berufliches Umfeld wirken.
Ich fühle mich als Berater dieser Leitvorstellung für eine Praxis guter Führung persönlich verpflichtet und kann zudem in meiner Beratungstätigkeit auch auf eigene berufliche Erfahrungen mit der Entwicklung einer wertschätzenden Führung zurückgreifen.