Werte geben unserem Leben eine fühlbare Qualität

Überlegungen, wie sich der richtige Umgang mit Werten auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirkt

Das Leben ist widersprüchlich. Das empfinden wir deshalb so, weil wir ein Bedürfnis nach widerspruchsfreier Ordnung haben. Deshalb tun wir uns so schwer, mit den Widersprüchen des Lebens umzugehen.
So wie die Ordnung gehört auch Un-Ordnung zu unserem Leben. Beides ist unser Leben. Es ist wichtig für unser Seelenleben, für unsere Gesundheit auch mit den Widersprüchen vernünftig umzugehen. Das lehrt uns die Psychologie. Das sagt uns auch die eigene praktische Vernunft.
Diese Einsicht ist für den Umgang mit unseren Werten von großer Bedeutung. Werte geben unserem Leben eine fühlbare Qualität. Sie stehen dem Glück sehr nahe.
Wenn wir eine Entscheidung nach “reiflicher Überlegung” treffen, sagen wir manchmal leise zu uns selbst “Das fühlt sich stimmig an!”. Dann haben wir den inneren Abgleich mit einem persönlichen Wert bereits abgeschlossen. Wir sind damit gefühlsmäßig zufrieden.
Wie ist das nun, wenn ich als Führungskraft Entscheidungen für andere treffe? Oder umgekehrt: Wie ist das, wenn ich von der Entscheidung einer Führungskraft betroffen bin?
Das Verfahren ist nicht anders als im privaten Bereich. Es ist immer eine “persönliche” Entscheidung darüber, was richtig für das Wohl aller ist. Aber auch im privaten Bereich ist der Umgang mit Werten nur scheinbar “rein privat”. In Wirklichkeit betrifft meine so genannte private Entscheidung immer auch das Verhältnis zu anderen Menschen. Auch im privaten Bereich muss ich meine Entscheidung vermitteln können, überzeugen können oder für meine Entscheidung einstehen.
Als Führungskraft ist die Vermittlung von Entscheidungen von grundlegender Bedeutung für die Zusammenarbeit und damit für den Erfolg des Unternehmens.

Die Vermittlung beginnt bereits damit, sich selbst über die eigenen Motive einer Entscheidung bewusst zu werden. Was bedeutet Vermittlung dann praktisch? Worauf bezieht sie sich? Was ist ihr Bezugssystem? Juristische Begründungen von Entscheidungen über eine Rechtsfrage beziehen sich auf das Ordnungssystem Recht.
So ähnlich braucht auch die Entscheidung einer Führungskraft ein Ordnungssystem, auf das sie sich explizit bezieht. Jedenfalls in einem rationalen System.
Was ist wichtig für die emotionale Akzeptanz einer rational begründeten Entscheidung? Hier geht es nun um die Werte der von einer Entscheidung betroffenenen Menschen. Wichtig für die weitere Zusammenarbeit ist, dass auch diese die Entscheidung als für sich stimmig empfinden können. Dieses sogenannte Kohärenzgefühl beeinflusst unser Wohlbefinden und unsere seelische, körperliche und geistige Gesundheit.
Denkbar ist aber auch, dass Einzelne nicht völlig überzeugt bin, aber die Entscheidung akzeptieren, “um des friedens willen”
Dann ist ihnen der Wert der Beziehung wichtiger als die Sache. Auf diese Weise findet die Seele ihren Frieden in einer widersprüchlichen Situation.
Unser Seelenfrieden hängt offensichtlich von unserer Gefühlswelt ab. Unsere Gefühlswelt beruht auf drei grundlegenden Gefühlen: positive, negative und neutrale Gefühle. Das ist die Erkenntnis des östlichen Psychologie. Positive Gefühle können Unstimmigkeiten auflösen und sogar Krankheiten heilen. Negative Gefühle sind destruktiv und ein Auslöser von zwischenmenschlichen Konflikten. Als Dauerzustand können sie Krankheiten auslösen.
Die Vermittlung von Werten im Entscheidungshandeln von Führungskräften ist die wichtigste Quelle für Wohlbefinden und Gesundheit und auch für Lust und Freude an der eigenen Arbeit. Damit dieses positive Gefühl von anderen Menschen geteilt werden kann, kommt es auf die Art und Weise der Vermittlung an. Vermittlung von Wohlbefinden durch Entscheidungshandeln erfordert eine besondere Vermittlungskompetenz, die erlernt werden kann.
Wie kann ich das lernen? Durch den persönlichen Prozess - durch bewusste und achtsame Selbstführung im alltäglichen Tun:
Durch Lernen an Lebenssituation, durch Selbstbeobachtung und Reflektion des eigenen Handeln, durch Lust und Freude an der eigenen persönlichen Entwicklung, motiviert durch die Erfahrung einer positiven Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen.
Es ist also eine beglückende Lebensaufgabe!