Mut zur Freiheit!

Wir leben in Deutschland in einer freien Welt: Wer oder was hindert uns daran, uns auch frei zu fühlen?
Arsi Ali weiß, wie es sich anfühlt, als Frau unfrei zu sein.

„Dieses Werk ist eine Rehabilitation des von der Postmodernen verfemten Subjekts. Wir dürfen uns wieder als Person fühlen“.
Dieses Zitat aus einer Rezension zu Peter Bieris “ Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens“ (Deutschlandfunk vom 5.11.2001) führt mich - wieder einmal - zu der Frage: Brauchen wir Mut, um uns als Person zu fühlen? Wir leben in Deutschland in einer freien Welt: Wer oder was hindert uns daran, uns auch frei zu fühlen?
Arsi Ali weiß, wie es sich anfühlt, als Frau unfrei zu sein. Geboren in Somalia, aufgewachsen auf der Flucht der Familie vor politischer Verfolgung in verschiedenen afrikanischen Staaten, von ihrem Vater gegen ihren Willen als Ehefrau nach Kanada versprochen, hat Arsi Ali sich frei entschieden, ihren Kulturkreis zu verlassen, um ein neues, eigenes Leben in Europa zu beginnen. „Ich war einfach eine junge Frau, die irgendwie sie selbst sein wollte” (Ayaan Hirsi Ali, „Mit Neugier ins Ungewisse“, in: Süddeutsche Zeitung, Plan W, Frauen verändern die Wirtschaft, Ausgabe 003, 2017, S. 11ff)

Sie ist heute Frauenrechtlerin, ehemalige Politikerin, erfolgreiche Schriftstellerin und eine prominente Kritikerin der Rolle der Frau im Islam.
Arsi Ali kennt den Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit aus eigener Erfahrung.
„Dort, wo ich herkam, bestimmten Frauen nicht über ihr Bankkonto, ihren Tagesablauf, ihren Freundeskreis oder ihren Berufsweg. Die meisten Frauen in meiner Umgebung handelten nur auf Anweisung von ihren Ehemännern. Sie waren nicht Herrin über ihr eigenes Leben!”
In den Niederlanden fand sie eine neue Heimat. Sie musste sich in einer völlig neuen Welt zurechtfinden, auf die sie nicht vorbereitet war. Sie war neugierig und lernte schnell. Im Politikstudium lernte sie zu verstehen, „wie sich das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft im Lauf der Jahrhunderte in Europa ausgeformt hatte. Ich stammte aus einer Stammes- oder Großsippengesellschaft, in der das Individuum und sein Wohlergehen dem Kollektiv stets untergeordnet sind. Im Gegenzug erhält der Einzelne von der Gemeinschaft Schutz, Unterstützung und eine Identität. Dennoch erscheinen mir solche Clangesellschaften sehr rückständig. Was ich in der hypermodernen Gesellschaft, frei von den Zwängen der Clans erlebte, war nicht einfach eine Weiterentwicklung - ich fühlte mich geradezu in die Gegenwart katapultiert. Ich erfuhr, dass Anpassung schmerzvoll, aber durchaus möglich ist.
Sich anzupassen gelingt nur mit der Erkenntnis, dass ich als Individuum selbst für mein Schicksal verantwortlich bin, ganz egal, ob Mann oder Frau.”
Ihre kritische Haltung gegenüber dem Islam ist radikal. Deshalb erhält sie Morddrohungen. Doch sie lässt sich in ihrer kritischen Arbeit nicht beirren. Sie erhielt viele Auszeichnungen, unter anderem als “Europäerin des Jahres”. Sie lebt heute in den USA.
Am Beispiel Arsi Alis wird mir deutlich, dass Subjekt- und Person-Sein tatsächlich sehr viel Mut erfordert: nämlich, dafür einzustehen, was einem wirklich wichtig ist.
Es kann nichts Wichtigeres geben, als die Freiheit, sich selbst als Person fühlen zu dürfen! Renaissance. Wiedergeburt. Arsi Ali fühlte sich bei der Ankunft in Europa wie neu geboren. Sie sagt aber auch, dass wir Europäer von Migranten lernen können, den Wert der persönlichen Freiheit wieder zu schätzen.
Wir müssen wieder lernen, uns für unsere persönliche Freiheit aktiv einzusetzen. Wir müssen unseren Mut zur Freiheit wieder entdecken.

27.11.2017